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Unser Haus in Lonvitz Nr. 20 nennt sich der “Zuckerhut”. Aus den vorhandenen Daten ist zu
entnehmen, dass es um 1700 erbaut wurde. Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist es zu einem reinen Wohnhaus umgebaut worden. Wir haben bisher sehr viel Mühe darauf verwandt, das Haus wieder mit Sprossenfenstern zu versehen
und alte Balken wieder freizulegen. Da der Zuckerhut unter Denkmalschutz steht, bemühen wir uns sehr, dem Haus auch von innen wieder einen ursprünglichen Charakter zu verleihen, dieses wird aber noch längere Zeit in
Anspruch nehmen.Nunmehr einige historische Ausführungen, entnommen dem Buch “Deutsches Jahrbuch für Volkskunde”, Jahrgang 1959: Rügens “Zuckerhüte” Zu den hauskundlich interssanten Gebieten zwischen Trave
und unterer Oder zählt die Insel Rügen. Besondere Beachtung unter ihren Alt-Gebäudeformen verdienen sowohl die Kübbelungsdielenscheunen als auch die Zuckerhüte. Während erstere außer auf Rügen in rund zwanzig Exemplaren
auch in Mecklenburg, vor allem im Bereich des früheren Fürstentums Ratzeburg, vorhanden sind, werden Vertreter des letzteren Typus nur noch auf den Inseln Rügen und Hiddensee angetroffen. Unter dem Terminus
Zuckerhut
versteht der Volksmund bis heute Niederdeutsche Hallenhäuser, die über einem quadratischen bzw. dem Quadrat stark genäherten Grundriß ein an den Giebelseiten zumeist tiefabgewalmtes, hohes Satteldach besitzen. Auf diese Weise entsteht für sie das allgemein charakteristische äußere Bild eines breitgelagerten Gebäudes mit niedrigen Wänden sowie einem steilen, nahezu zeltförmigen Dach. Dergleichen Hausformen lassen sich für die Insel Rügen anhand der Erbschichtungsakten des Mönchgutes bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen. Bei einer auf Grund der letzten Zuckerhutaufmessungen anzu- nehmenden Außenbreite von rund 950 cm sowie einer Fachtiefe von rund 235 cm ergibt sich für beide Gebäude eine Außenlänge von rund 940 cm. Dieser nahezu quadratische Grundriß zusammen mit dem allseitig tief herabgezogenen Dach charakterisieren die genannte Häuser als “Zuckerhüte”.
Es ist nur zu verständlich, dass diese altartig anmutenden Gebäude frühzeitig das Interesse der Volks- und Hauskundler gefunden haben, und so verdanken wir dem vor allem durch seine Sagensammlungen bekannten
orpommerschen Volskundler A.Haas eine erste eingehende Beschreibung dieses Gebäudetypus, im besonderen des Zuckerhutes in Pantow. Auch der noch heute in hauskundlichen Fachkreisen des von ihm zusammen- getragenen
Faktenmaterials wegen geschätzte W. Pessler widmete dem gleichen Gebäude, von dem er als erster die Bezeichnung “Zuckerhut” mitteilte, innerhalb seiner Rügenarbeit eine besondere Besprechung. Im Auftrage der Deutschen
Akademie der Wissenschaften in Berlin wurden im Jahre 1956 erneut Untersuchungen des zu diesem Zeitpunkt leider bereits stark zerfallenen Zuckerhutes Pantow durchgeführt, die in erster Linie auf Beobachtungen innerhalb
des Gefüges ausgerichtet waren und auf diese Weise vollkommen neue Ergebnisse zeitigten. Diese wurden durch eingehende Überprüfungen der darüber hinaus noch vorhandenen Zuckerhüte, und zwar des Zuckerhutes in Lonvitz,
des Verräterhauses in Gr. Stresow sowie des Pfarrwitwenhauses Gr. Zicker im Jahre 1958 ergänzt bzw. vollauf bestätigt. Auf Grund der hierbei getätigten Festellungen ergibt sich für die drei Zuckerhüte Pantow, Lonvitz
und Gr. Stresow folgendes ursprüngliche Bild: Die drei genannten Zuckerhüte sind als Niederdeutsche
Hallenhäuser echte Traggerüstbauten. Zwei Reihen Ständer begleiten in ihnen beidseitig die mit 290 cm (Pantow), 400 cm (Gr.Stresow) oder 494 cm (Lonvitz) verhältnismässig schmale Diele und sind wie üblich durch Rähme
und Balken kreuzverklammert. Ihrer Verzimmerung nach zählen sie zu der für Mecklenburg typischen Unterrähmverzimmerung, deren Gefügeknoten - aufglegte Dachbalken mit zweistufigem Ständer- zapfen - sie sicher vor das
Jahr 1750 datieren. Eine genauere Fixierung der Baujahre macht trotz der in ihren Gefügen vorhandenen Anblattungen (zumeist Hakenblätter) erhebliche Schwierigkeiten, da auf Rügen infolge der insularen Lage dieser
Hauslandschaft mit beträchtlichen Entwicklungsverzögerungen gerechnet werden muß, eine Tatsache, die vor allem im Bereich der Scheune zu belegen ist, und so darf auf Grund zweier wohl als gesichert anzunehmender
Datierungsfunde, der in die vordere Lehmwand des Pantower Zuckerhutes eingekratzten Jahreszahl 1708
sowie der in den mittleren Dachbalken des Hauses Damp, Kl. Hagen, eingeschnittenen Inschrift “Anno 1717” - angenommen werden, dass die drei genannten Zuckerhüte um das Jahr 1700 errichtet wurden.
- Fortsetzung folgt - |